Theater-AG bringt selbstgeschriebenes Stück zur Aufführung
Zielgerichtet schreitet die hohe Gestalt an den Bühnenrand. Die Trompetenärmel ihres schwarzen Gewandes flattern. Das Haar streng zurückgekämmt, die Augen dunkel geschminkt blickt sie furchteinflößend ins Publikum. „Nun, hat unser Vögelchen gesungen?“ fragt sie mit scharfem Ton.
Die schreckliche Ling Mei (Linda Kroll), Schwester des Kaisers von China (Lukas Lösch), hält ihre Mitspieler und die Theaterbesucher in Atem. Der Kaiser liegt im Sterben und redet nur wirres Zeug. Einzig seine Hofärztin kann sein Gebrabbel entziffern. Eine seiner Töchter soll die Erbfolge antreten. Aber wer beweist mehr Mut und erweist sich würdig, die Kaiserkrone zu tragen? Das Stück „Einst im fernen China…“ von Michael Polty, inszeniert von Marie Schwarz, entführte die Zuschauerinnen und Zuschauer im Paul-Gerhardt-Haus in Singen am 9. und 10. Juli in ein fiktives Kaiserreich.
Die Prinzessinnen (Luisa Griesinger, Elina Wert) und ihre Dienerinnen traten eine abenteuerliche Reise an. Der hinterhältige Mandarin Hao Dang (Maximilian Walch) malt sich derweilen am Kaiserhof schon Hoffnungen auf den Thron aus. Während die dunklen Gefilde der Ling Mei atmosphärisch mit Licht- und Soundeffekten auf die Bühne gebracht werden, begeistert der Kaiserhof mit asiatischen Kostümen.
„Ha! Ha! Ha!“, tönt es von der Bühne. Wie eine Speerspitze stürmen die sechs Kämpferinnen Ling Meis auf die Bühne. Drei spannungsgeladene Bewegungswechsel symbolisieren die unheilvolle Macht. Das chorische Sprechen und die Synchronizität wirken eindrucksvoll.
Marie Schwarz lacht, als sie vom Probenprozess erzählt: „Wie oft wir das geübt haben!“ Die Deutsch- und Spanischlehrerin leitet seit 14 Jahren die Theater-AG Oktopus am Gymnasium Remchingen. Ihre Stücke entwickelt sie meistens im Probenprozess mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam, sodass sie inzwischen auf einen beachtlichen Fundus blicken kann. „Text vergessen ist kein Problem, solange die Schauspieler in ihrer Rolle bleiben und improvisieren. Text retten, das geht immer!“, erzählt sie entspannt.
Zum großen Finale sind alle Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne. Die Krönung der dritten Schwester wird gefeiert und das Publikum sitzt im Konfettiwirbel.
„Das Stück hielt viele überraschende Wendungen bereit. Eine unterhaltende Kombination aus Spannung und Witz“, urteilt Friedemann Zitt am Ende des Theaterabends. Besonders stolz ist er auf seine Tochter Amy Zitt, welche eine Meisterspionin gab. Auch Mala Jargstorff ist begeistert über die Leistung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler: „Eine erstaunliche schauspielerische Leistung! Ich bin beeindruckt, dass die Darstellerinnen und Darsteller so viel Text auswendig wussten.“
Tatsächlich berichtet Marie Schwarz, dass die Proben in diesem Jahr besonders herausfordernd waren. Die Theatergruppe sei mit 29 Mitwirkenden aus 6 Klassenstufen an ihre absolute Grenze gekommen. In einem ausgeklügelten Probenplan hatte die Leiterin der AG es möglich gemacht und die Einzelproben an die Stundenpläne aller Schülerinnen und Schüler angepasst. Die Spielfreude der Mitwirkenden und die strahlenden Gesichter der Zuschauer zeigten ihr hoffentlich, dass sich die Mühen des vergangenen Schuljahres gelohnt haben.
Von Myriam Negele, Fotos von Michael Polty
