Bertalanffy Praktikum 2024
By 根川孝太郎 (Kotaro Negawa) - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30972660
Vor den Sommerferien hatte Frau Bernstein unserem Bio-Lk von der Möglichkeit erzählt, uns für ein zweiwöchiges Praktikum an dem „Centre for Organismal Studies“ (COS) in Heidelberg zu bewerben.
Das Praktikum findet jedes Jahr am Anfang der Sommerferien statt und bietet jungen, biologisch interessierten Schülern die Möglichkeit, einen Einblick in Labore und die Arbeit von Wissenschaftlern zu bekommen. Man bewirbt sich zuerst per E-Mail und wird dann zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. In meinem Fall wurde ich angenommen und es wurden mir kurz vor dem Praktikum noch weitere Informationen geschickt.
Wir waren insgesamt 15 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 16-18 und waren alle gespannt was uns erwarten würde. Das gesamte Praktikum war auf Englisch, da tatsächlich auch ein paar Schüler aus anderen Ländern da waren. Dies war am Anfang etwas anstrengend, aber man hat sich erstaunlich schnell daran gewöhnt und sich das entsprechende Vokabular angeeignet.
Die ersten zwei Tage haben wir hauptsächlich mit Prof. Jochen Wittbrodt verbracht und er hat uns erstmal einen kleinen Einblick in das Thema Entwicklungsbiologie gegeben, welches in der Schule kaum thematisiert wird. Wir haben dann auch noch mehrere Präsentationen zu verschiedenen Projekten und Modellorganismen gehört, die uns schon mal ein wenig für unsere eigenen Projekte begeistert haben. Für die nächsten 3 Tage wurden wir in 2er Teams aufgeteilt und jede Gruppe hatte ein anderes Projekt, das wir uns erarbeiten sollten. Mein Partner Jonathan und ich haben mit Dr. Lucie Zilova an Embryonen vom Medakafisch gearbeitet.
Dabei haben wir uns hauptsächlich auf die Augen konzentriert, denn wir wollten herausfinden aus welchen embryonalen Zellen sich die Linse und Netzhaut bilden. Dafür haben wir die Stammzellen mit einem grün und rot fluoreszierenden Protein markiert, um später unter einem speziellen Mikroskop zu sehen, welche Stammzellen sich später zum Auge differenzieren. Das klingt zwar alles sehr kompliziert, doch die meiste Zeit haben wir tatsächlich mit dem Pipettieren von verschiedenen Lösungen verbracht.
Nach dem zweiten Tag konnte man schon deutlich mehr erkennen und es wurden auch die Verbindungen ins Gehirn immer klarer. Um für uns auch die Struktur der Netzhaut erkennen zu können, hatten wir noch ein zweites Modell mit grün eingefärbter Netzhaut und roter Linse. Abgesehen von unserem eigentlichen Projekt mit den Augen, haben wir auch noch die Möglichkeit bekommen, uns andere Strukturen bei den Embryonen anzuschauen. So konnte man zum Beispiel schon beobachten, wie das Herz schlägt oder wie das Blut durch die Adern fließt.
7and, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons (letzter Zugriff: 24.2.25), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hoechst_33342_Stain_-_Platynereis_dumerilii_larvae.jpghttps://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hoechst_33342_Stain_-_Platynereis_dumerilii_larvae.jpg
Nach 3 Tagen war unser erstes Projekt abgeschlossen und wir hatten das Wochenende frei. Am Montag erwartete uns dann unser zweites Praktikum, bei dem wir mit Alexandra Kerbl an Platynereislarven experimentiert haben. Platynereis sind kleine Würmer, die sich besonders gut fürs Labor eignen, da sie einen sehr kurzen Lebenszyklus haben,
wodurch man sehr schnell Ergebnisse bekommt. Unser Fokus in diesem Praktikum lag vor allem auf einer Antikörpereinfärbung, welche es uns ermöglicht hat, verschiedene Teile der Larve unterschiedlich einzufärben und sie so klar voneinander zu trennen. Wir haben zum Beispiel bestimmte Neurotransmitter oder auch das zentrale Nervensystem mit Antikörpern gefärbt.
Unsere neuen Erkenntnisse haben wir am letzten Tag den anderen Gruppen präsentiert. Und es war wirklich interessant zu sehen, was die anderen in diesen zwei dreitägigen Praktika alles gelernt haben. Die anderen Gruppen hatten teilweise auch mit komplett anderen Organismen zu tun. Eine Gruppe hatte sich zum Beispiel mit Pflanzen beschäftigt.
Alles in allem kann ich sagen, dass mir diese zwei Wochen unglaublich viel Spaß gemacht haben und ich sehr viele neue interessante Menschen mit derselben Leidenschaft für Biologie kennengelernt habe. Ich kann es also daher nur empfehlen: Falls ihr Spaß an Biologie habt und gerne mal einen Einblick in ein Labor bekommen wollt, seid ihr bei diesem Praktikum genau richtig.
Katharina Riexinger, Jg 2